J. Singhammer

Johannes Singhammer

Vizepräsident des Deutschen Bundestages

Schirmherr des Kongresses

Rechtsprechung heißt immer Wahrheitsfindung. Aber was ist die Wahrheit? Gibt es überhaupt eine verbindliche Wahrheit, eine juristisch objektivierbare Wahrheit? Sind nicht immer erst zwei Seiten einer Medaille die ganze Wahrheit? Und ist die Wahrheit von gestern auch noch die Wahrheit von morgen oder unterliegt auch die Wahrheit einem Wandel der Zeit, wie wir dies zum Teil in der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts erleben?

Eine Menge offener Fragen, über die es sich unter Juristen zu diskutieren lohnt. Der Kongress „Christ und Jurist“ verbindet dabei miteinander scheinbar unvereinbare Welten. Nämlich die Welt der juristischen Wahrheit und Beweise und die Welt des Glaubens. Und dennoch: das eine wäre ohne das andere nicht denkbar. Denn das christlich-jüdisch-abendländische Glaubens-und Wertefundament hat Europa erst zu dem gemacht, auf das wir heute stolz sind: zu einem Kontinent der Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit.

Recht ist nicht Gerechtigkeit heißt es oftmals zu banal, denn ich behaupte: ohne Gerechtigkeit gibt es kein allgemein akzeptiertes Recht und auf der anderen Seite kann aber auch niemand ohne niedergelegtes Recht Gerechtigkeit für sich verbindlich einfordern.

Letztlich ist Wahrheit jedoch nicht endgültig fassbar und Juristinnen und Juristen stehen deshalb jeden Tag unter dem Spannungsbogen, dennoch durch Wahrheitsfindung Recht sprechen zu müssen. Die Probleme, die hierbei auftreten, anzusprechen, miteinander zu diskutieren, diese Problemlage wissenschaftlich und philosophisch aufzuarbeiten, dem soll Ihr Kongress dienen. Daher freue ich mich auf lebendige Beiträge und Diskussionen, die uns alle als Christen in unserem täglichen Streben nach Wahrheit voranbringen.

Als Münchner Bundestagsabgeordneter sage ich zudem herzlich willkommen in München.