Dr. Friedrich

Dr. Johannes Friedrich

Pfarrer und Landesbischof i.R.

Schirmherr des Kongresses

„Was ist Wahrheit?“ so lautet eine der berühmtesten Fragen der Weltgeschichte. Der Leitende römische Beamte in Judäa, Pontius Pilatus mit Namen, stellt Jesus diese Frage als dieser sagt: „Ich bin in diese Welt gekommen, um als Zeuge für die Wahrheit einzutreten.“ (Johannesevangelium 18,37).

Seitdem lässt Menschen diese Frage nicht mehr los. Und ganz besonders Christen hat es immer wieder getrieben, eine Antwort auf diese Frage zu finden: „Was ist Wahrheit?“ Ist es die Wahrheit, wenn ich in einer Verfolgungssituation das Versteck meiner christlichen Brüder verrate, weil ich unter Druck gesetzt werde und die Wahrheit sagen soll? Oder gibt es keine christliche Wahrheit, die anderen Menschen schaden kann?

Im 8. Gebot heißt es ja nicht: „Rede die Wahrheit!“, sondern: „Du sollst kein falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten!“ und Luther hat dies zu Recht so ausgelegt: „Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren.“

Es ist also ein ganz spannendes Thema, das Thema der Wahrheit. Und ich stelle mir vor, für Juristen, die als Christen leben wollen, ist es noch spannender als für andere:

• Darf ich als christlicher Jurist einen Wissensvorsprung gegenüber meinem Verhandlungspartner ausnutzen?
• Darf ich als Christ in einem Prozess zugunsten meines Mandanten einen rechtlichen Anspruch behaupten, wenn ich genau weiß, dass die Rechtslage in Wahrheit anders ist?

Sie alle können aus Ihrer Berufspraxis sicher noch viele weitere Beispiele erzählen. Wir wollen Nachfolger und Nachfolgerinnen unseres Herrn Jesus Christus sein, der als Zeuge für die Wahrheit in die Welt gekommen ist. Wie müssen wir dann zu leben versuchen?

Ich finde es großartig, dass „Christ und Jurist“ sich dieses Thema für den nächsten Kongress vorgenommen hat, ich stelle mich deshalb gerne als Schirmherr zur Verfügung und nehme selbst gerne an diesem Kongress teil. Ich freue mich auf viele gute Gespräche mit Ihnen in diesen Tagen und bitte Gott um seinen Segen für die Vorbereitung und Durchführung des Kongresses.