Freiheit – ein großer, leuchtender Begriff; facettenreich wie unser menschliches Leben; Verheißung und zugleich Verantwortung, manchmal Last; mächtig und zugleich fragil; angreifbar und in vielerlei Hinsicht bedroht.

Gleich zu Beginn des Kongresses „Freiheit“ der Initiative „Christ und Jurist e.V.“, der vom 29. April bis 1. Mai 2016 in Stuttgart stattfand, erhielten die Teilnehmer einen Vorgeschmack darauf, was es bedeutet, sich mit dem Thema Freiheit auseinanderzusetzen. Patrick Menges, Vorsitzender der Initiative, und Landesbischof i.R. Gerhard Maier, Schirmherr des diesjährigen Kongresses, schlugen in einem Vorausblick auf die unzähligen Diskussionsmöglichkeiten den Bogen von der Freiheit in der Gestaltung des alltäglichen Lebens über die Freiheit als Christ und Jurist in unserer Gesellschaft bis hin zur Freiheit als Grundstein der Verfasstheit unseres Staates.

Hochrangige Persönlichkeiten aus Politik, Rechtswissenschaft und Theologie waren der Einladung von „Christ und Jurist“ gefolgt und sprachen zu den rund 170 Teilnehmern, darunter auch etliche internationale Gäste, die sich aus den unterschiedlichen juristischen Berufsgruppen zusammengefunden hatten.


So zeichnete etwa Fabian Wittreck, Professor für öffentliches Recht in Münster, in seinem Vortrag das Freiheitsbild des Einzelnen im Verfassungsstaat in Form der Menschenwürde und der Freiheit der Person als „geronnene Verletzungserfahrungen“. Der Moraltheologe Professor Eberhard Schockenhoff führte die Zuhörer hin zum biblischen Freiheitsverständnis mit Blick auf den Menschen als „freies Gegenüber zu Gott“ und beleuchtete die Rolle der Kirche als „Anwältin der Freiheit“. Spannend, die differenzierte und zugleich anschauliche Auseinandersetzung mit dem Thema Freiheit durch die beiden Professoren mitzuverfolgen und sich als Praktiker auch mal wieder der wissenschaftlichen Herangehensweise zu widmen.

Über die Freiheit des Richters in Form der richterlichen Unabhängigkeit sprach der Präsident des Verfassungsgerichtshofs des Landes Baden-Württemberg, Eberhard Stilz. Einblick in das bewegte Leben einer Politikerin gewährte hingegen die ehemalige französische Ministerin Georgina Dufoix, die mit einem persönlichen Glaubenszeugnis und sehr eindringlichen Erfahrungen von Freiheit und Unfreiheit überraschte.

Angeregt von diesen Impulsen diskutierten die Kongressteilnehmer schließlich in Workshops und persönlichen Begegnungen über die praktische und individuelle Bedeutung von Freiheit und ihren persönlichen Umgang damit im familiären und beruflichen Umfeld. Dieser bereichernde Austausch ist das große Geschenk, das die Kongresse und Tagungen von „Christ und Jurist“ immer wieder neu anbieten. Es lohnt sich, dieses Angebot anzunehmen, denn es birgt die Möglichkeit, sich zu befreien von den Einbahnstraßen und Zwängen des eigenen, subjektiven Denkens und gemeinsam dem auf dem Kongress häufig zitierten Aufruf des Apostels Paulus in Galater 5,1 zu folgen: „Zur Freiheit hat uns Christus befreit!“

 

Odette Zendek