Christ und Jurist e.V., 8.5.2012

Juristenkongress: Gerechtigkeit muss oft erkämpft werden

 Was ist Gerechtigkeit? Dieser Frage gingen rund 200 Juristinnen und Juristen am vergangenen Wochenende (4. bis 6. Mai 2012) in Frankfurt am Main nach. Den Gerechtigkeitskongress organisiert hatte das Netzwerk Christ und Jurist. „Gerechtigkeit ist leider nicht selbstverständlich. Sie muss von vielen Menschen immer wieder neu erkämpft werden“, stellte der Vorsitzende von Christ und Jurist, Rechtsanwalt Dr. Patrick Menges, heraus. Der Präsident der Rechtsanwaltskammer Frankfurt, Prof. Dr. Dr. Dr. Lutz Simon, zugleich Schirmherr des Kongresses, verwies darauf, dass Gesetzesrecht und Gerechtigkeit in Widerspruch stehen können. Nur die Liebe könne aber wahre Gerechtigkeit hervorbringen. Deshalb sei Gerechtigkeit im Christentum seit der Geburt Jesu neu definiert: „Gerechtigkeit ist Liebe, und Liebe ist Gerechtigkeit“, so der Jurist.

 Der Richter am Bundesverfassungsgericht Prof. Herbert Landau betonte, dass im Rechtsstaat des Grundgesetzes die Allmacht des Gesetzgebers an den Werten der Verfassung gebrochen sei. Wenn der Rechtsstaat als Gerechtigkeitsstaat verstanden werde, könnten Freiheit und soziale Gerechtigkeit am besten verwirklicht werden. Es gebe einen dem Staat in der Menschenwürde vorgegebenen Achtungsanspruch auf Rechtsgleichheit. Davon seien auch soziale Gerechtigkeit und Fürsorge für kommende Generationen umfasst, so der Verfassungsrichter.

 Der evangelische Theologieprofessor für Neues Testament, Hans-Joachim Eckstein, zeigte auf, dass es biblisch gesehen bei Gerechtigkeit um eine ganzheitliche, persönliche Beziehung von Menschen zu Gott und zu anderen Menschen gehe. So sei Gottesgerechtigkeit gerade durch die Person Jesu Christi eine Kraft, die Wiederherstellung schaffe. Barmherzigkeit sei die bessere Gerechtigkeit, das sei um der Beziehung willen gefordert. Gerade der Gottesbezug in der Präambel des Grundgesetzes sei ein Orientierungspunkt – nur von ihm her könne der Gerechtigkeitsbegriff  in guter Weise gefüllt werden. Weil der Mensch keine Chance habe zu lieben, wenn er nicht geliebt werde, machte Eckstein den Christen und Juristen zur Aufgabe, Beziehungsräume zu schaffen, damit Beziehungsgewissheit entstehe.

 Der südafrikanische Rechtsanwalt Dieter Achtzehn brachte es so auf den Punkt: „Ohne den Gott der Gerechtigkeit kann es keinen nachhaltigen Erfolg bei der Umsetzung der Gerechtigkeit unter Menschen geben.“

 Nachdem die Teilnehmer in mehreren Workshops über Konfliktfelder der Gerechtigkeit gearbeitet hatten, forderte Kammerpräsident Simon, Juristen und Christen hätten angesichts von Ungerechtigkeit endlich Stellung zu beziehen: „Christentum braucht Gesichter!“

 Dies unterstrich auf dem Schlusspodium auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft der CVJM Deutschlands und ehemalige Präsident des Weltbundes der CVJM, Rechtsanwalt und Notar Martin Meißner, mit einem Zitat des Altbundespräsidenten Heinemann: „Wer schweigt, der fördert, was im Gange ist.“

 Und der Vorsitzende der Vereinigung „Advocates Europe“, der bulgarische Rechtsanwalt und Menschenrechtler Latchezar Popov, zog das Fazit: „Die Gerechtigkeit erkennt man an ihren Früchten.“