Thomas Schirrmacher

Thomas Schirrmacher

Sprecher für Menschenrechte der Weltweiten Evangelischen Allianz

Dass sich Juristen und Juristinnen aller Konfessionen und Fachrichtungen zusammenschließen und austauschen, ist nicht nur wichtig um zu lernen, wie das bisweilen anstrengende Leben in der Rechtswelt mit anderen Bedürfnissen des Lebens wie Familie, Freunde, Ruhe, Kirche oder soziales und politisches Engagement überein gebracht werden kann, sondern auch, damit sie sich im gemeinsamen Fachgespräch weiter entwickeln können.

Recht entwickelt sich ständig weiter, weltweit ebenso wie lokal. Nur wenn engagierte Menschen hier mit am Ball sind, können sie die Zukunft in diesem Bereich auch zum Wohle aller mit gestalten. Oft lässt der juristische Alltag aber nicht viel Raum dafür, über Grundsatzfragen nachzudenken.

Wenn Christen aber unsere Gesellschaft im demokratischen Konzert mitprägen wollen, muss das gerade auch die juristische Lebenswelt umfassen. Da ist es wichtig, eine Plattform zu schaffen, in der man gemeinsam erst einmal um "Gerechtigkeit" ringen kann, um dann das Gewonnene in die Gesellschaft einzubringen.

Ein christlicher Beitrag zu Fragen der Menschenrechte erfolgt nicht ein für alle Mal, sondern das weltweite Menschenrechtsgeflecht wird weiter ausgebaut, oft sinnvoll (wie etwa das neueste Menschenrecht auf UN-Ebene, das Recht auf Trinkwasser), manchmal aber auch fragwürdig (wie meines Erachtens die Forderung eines Rechtes auf Abtreibung ohne dagegen die Menschenrechte des Ungeborenen zumindest dagegen abzuwägen).

Wenn Juristen und Juristinnen daher nicht von Zeit zu Zeit über Grundsatzfragen diskutieren können, bleibt uns nur der Aktivismus, wenn überhaupt. So wichtig es aber ist, sich für Menschenrechte, Religionsfreiheit und Gerechtigkeit in Alltag und Politik einzusetzen, so wichtig ist es auch, die dahinter liegende Ebene juristischer Grundsatzüberlegungen und -entscheidungen zu überdenken und zu verbessern.

Ich wünsche deswegen dem Kongress "Christ und Jurist e. V." unter dem Thema "Gerechtigkeit" viele Teilnehmer, viel Gesprächs- und Lernlust, viel Gewinn für die persönliche Lebensgestaltung, aber auch, dass es gelingt, an dem tiefen Wunsch aller, "Gerechtigkeit" in unserer Welt zu verwirklichen, mitzuwirken.