Maier

Prof. Dr. Gerhard Maier

Landebischof i.R. der Evangelischen Landeskirche in Württemberg

 

Tagungen, in denen sich Christ und Jurist begegnen, sind in der heutigen Situation mehr als begrüßenswert. Sie sind eine Notwendigkeit.

Denn was am Anfang unserer europäischen Geschichte zusammen gehörte, ist in der Gegenwart weit auseinander gedriftet. Als im 13. Jahrhundert die europäischen Universitäten entstanden, mit Paris und Bologna an der Spitze, waren es Theologie und Recht, die aufs engste miteinander verbunden waren. Noch die Hauptreformatoren Luther und Calvin sind gleichzeitig Theologe und Jurist gewesen. Es war eine unglückliche Entwicklung, als sich vor allem im Protestantismus eine Strömung entwickelte, die das Evangelium und das Recht als Gegensätze betrachtete.

Heute drängt sich eine andere Entwicklung in den Vordergrund, die von der christlich geprägten Überlieferung Abschied nimmt, sich nur dem Humanismus verpflichtet fühlt und letztlich den gesellschaftlichen Konsens sanktioniert. Wie gehen Christen und Juristen damit um? Der Stuttgarter Kongress vom 29. April bis 1. Mai könnte dazu einen spannenden Beitrag liefern.