Fürst

Dr. Gebhard Fürst

Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart

 

Zu Ihrem diesjährigen Kongress in Stuttgart sende ich Ihnen als Bischof der Diözese Rottenburg-Stuttgart meine herzlichen Grüße!

Nach den beiden Themen der vergangenen Kongresse, „Gerechtigkeit“ und „Wahrheit“, steht nun der dritte Kongress Ihrer Initiative Christ und Jurist unter dem Titel „Freiheit“. Wahrheit, Gerechtigkeit und Freiheit, dieser Dreiklang ist für Anselm von Canterbury, einen der größten Philosophen und Theologen der Frühscholastik, nichts weniger als die notwendige Prämisse für die Erkenntnis Gottes. Freiheit, Gerechtigkeit und Wahrheit sind für Anselm die Voraussetzung, Gott überhaupt erst denken und annehmen zu können. Anselms Überlegungen stehen in einem besonderen Bezug zum Johannesevangelium, das ebenfalls eine direkte Verbindung von Wahrheit und Freiheit herstellt. Dort heißt es: „Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wirklich meine Jünger. Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch befreien.“ (Joh 8,31f.)

Nach christlich-jüdischem Verständnis ist Freiheit besonderer Ausdruck der Gottebenbildlichkeit des Menschen. So hat auch der Apostel Paulus genau diese Gottebenbildlichkeit im Blick, wenn er im Brief an die Galater, der unter den apostolischen Briefen als „Magna Charta“ christlicher Freiheit gilt, schreibt „Ihr seid zur Freiheit berufen. Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort zusammengefasst: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Gal 5,13f.). Diese Worte treffen die modernen Kontroversen über den Begriff und die Praxis der Freiheit im ihrem Kern.

Ohne das Bewusstsein von Freiheit gibt es keine Verantwortung, also auch kein selbstbestimmtes Handeln. Deshalb gilt Freiheit als zentraler Wert unserer Gesellschaft, den es zu schützen und zu bewahren gilt. Die Freiheit ist als eigenes Grundrecht in unserer Verfassung festgehalten. Gleich zu Beginn heißt es dort: „Die Freiheit der Person ist unverletzlich.“ (GG Art. 2 Abs. 2) Diese unverletzliche Freiheit zu schützen, zu bewahren und ebenso auch auszuschöpfen, das ist unsere besondere Aufgabe als Menschen dieser Gesellschaft, die auf einem christlichen Wertesystem gründet, dem ein christliches Menschenbild zugrunde liegt – dem Anerkennen des Menschen als Gottes Schöpfung, als Ebenbild Gottes.

Es freut mich besonders, dass die Initiative Christ und Jurist für ihren dritten Kongress im Stuttgarter Hospitalhof das anspruchsvolle Thema „Freiheit“ gewählt hat. Ich wünsche Ihnen für die diesjährige Veranstaltung einen guten Verlauf, fruchtbare Ergebnisse sowie allen Organisatoren und Teilnehmern Gottes Segen!