Grußwort aus Anlass der Bundestagung 2018 „Einsatz für den Rechtsstaat“
Prof. Dr. Heinrich Bedford-Strohm, Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland

Martin Luther, dessen berühmter Thesenanschlag an der Schlosskirche in Wittenberg im vergangenen Jahr Anlass für die Feier des 500. Reformationsjubiläums war, hatte ein gespanntes Verhältnis zu Juristen. „Juristen, böse Christen“ war eine seit dem Mittelalter über Jahrhunderte verbreitete Redensart, die er häufig verwendete. Seit seiner Entstehung sah sich der Berufsstand der Juristen einem großen Misstrauen ausgesetzt. Die zunehmende Verschriftlichung rechtlicher Vorgänge führte bei vielen Menschen zu großer Verunsicherung. Sollten Wahrheit, Treue, Vereinbarung durch Handschlag vor Zeugen als Ausdruck christlicher Lebensformen im Alltag auf einmal nicht mehr gelten? Alte Traditionen und liebgewordene Gewohnheiten wurden von Juristen angetastet. Juristen galten als Vertreter der Obrigkeit zum Nachteil der Schwachen, ihr Handeln dementsprechend als unchristlich in einer vom Christentum durch und durch geprägten Lebenswirklichkeit.

Heute, in der Situation eines säkularisierten und weltanschaulich neutralen Staates, hat diese Argumentation gegen die Juristen als „böse Christen“ ihre Plausibilität und womögliche Berechtigung längst verloren. Es ist vielmehr so, dass Juristen oft ganz bewusst ihre christliche Grundhaltung einfließen lassen bei der Ausübung ihrer Tätigkeiten. In unserer freiheitlich demokratischen Grundordnung ist das nicht etwa ein Verstoß gegen die Trennung von Staat und Religion. Es ist vielmehr Ausübung der umfassend gewährleisteten Religionsfreiheit, vor allem aber Ausdruck einer Wertegebundenheit, von der unser Gemeinwesen profitiert.

Der Verein Christ und Jurist widmet sich diesem Anliegen in vorbildlicher Weise, wenn er sich dafür einsetzt, christlichen Glauben und juristische Arbeit so zu verbinden, dass der Einsatz für das Recht zum Gottesdienst und zum Dienst am Menschen wird. Deutlich wird das in diesem Jahr beim Thema und bei der Ablaufplanung der Bundestagung „Einsatz für den Rechtsstaat“. Dem Verlauf der Tagung wünsche ich Gottes Segen und sende den Teilnehmenden meine herzlichen Grüße!