Die Bundestagung von Christ und Jurist 2015 fand vom 8. bis 10. Mai in Wiesbaden statt.

„Wir sind ermutigt, uns als Christen in der Öffentlichkeit zu unserem Glauben zu bekennen. Jeder von uns kann zu einem positiven Bild des Christentums in den Medien beitragen. Ein gutes Mittel sind dabei Leserbriefe mit Lob für ausgewogene und sachliche Berichte, ebenso wie konstruktiv formulierte Kritik an tendenziöser Berichterstattung über christliche Veranstaltungen und Werke, die wir leider auch erleben. Als christliche Juristen sehen wir unsere Aufgabe darin, die Medien- und Pressefreiheit als Grundpfeiler unserer Verfassung zu verteidigen. Andererseits wollen wir aber mit rechtlichen Mitteln die Verbreitung falscher Tatsachen, Schmähkritik und Verletzungen der persönlichen Ehre verhindern“. Dieses Fazit zieht der Vorsitzende des Vereins „Christ und Jurist“, Rechtsanwalt Dr. Patrick Menges, aus der Bundestagung zum Thema „Christ und Jurist in der Mediengesellschaft“. Fast 100 Juristen trafen sich im Wilhelm-Kempf-Haus in Wiesbaden, um über die Chancen und Risiken der modernen Mediengesellschaft zu diskutieren.

Franz-Josef Jung, der frühere Bundesverteidigungsminister (unten), wies in seinem persönlichen Grußwort auf den christlichen Hintergrund der freiheitlichen Werteordnung des Grundgesetzes hin. Zugleich erinnerte er die Journalisten daran, ihren gesellschaftlichen Einfluss und die Pressefreiheit verantwortlich auszuüben.

Skeptisch äußerte sich der der Mainzer Professor für Staatsrecht Matthias Cornils (unten rechts) zu der Frage, ob blasphemische Äußerungen strafrechtlich geahndet werden sollten. Auch geschmacklose Äußerungen würden im Grundsatz durch die Meinungsfreiheit geschützt. Ein Verbot komme erst in Betracht, wenn die Grenze zur Persönlichkeitsverletzung oder gar zur Volksverhetzung überschritten werde.

Christoph Irion, Journalist und Geschäftsführer des christlichen Medienverbundes KEP (unten links), zeichnete ein differenziertes Bild der aktuellen Medienlandschaft. Die emotionale Kraft von Bildern und die Möglichkeit durch einseitige Auswahl von Informationen ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit darzustellen, berge ein erhebliches Manipulationsrisiko. Zugleich betonte Irion die vielfältigen Möglichkeiten von Kirchen, die christliche Botschaft auch in säkularen Medien zu verbreiten, z.B. durch die regelmäßige Übertragung von Gottesdiensten, den festen Sendeplatz für das „Wort zum Sonntag“ oder die Beteiligung von Vertretern der Kirchen in den Aufsichtsgremien der öffentlich-rechtlichen Sender.

Am Eröffnungsabend der Tagung, dem Jahrestag des 8. Mai, wurde der Befreiung vom Nationalsozialismus gedacht. Der Abend stand unter dem Motto „Juristen im Nationalsozialismus: Eine Erinnerung aus Anlass des 70. Jahrestages des Kriegsendes“. In seinem Einführungsreferat beleuchtete David Kästle von der Universität Münster die unrühmliche Rolle der Juristen in der NS-Diktatur. Viele „furchtbare Juristen“ waren unmittelbar in das Unrechtssystem eingebunden und übersetzten die nationalsozialistische Ideologie in die juristische Praxis. Nur wenige mutige Juristen hätten sich dem Regime widersetzt. Rechtsanwältin Bärbel Gegenwart betonte in ihrem Vortrag, dass der Schmerz, den das Unrecht damals hinterlassen habe, auch heute noch nicht überall verheilt sei. Es sei daher wichtig, den Schleier der Vergangenheit zu lüften. Wo die Schuld der eigenen Vorväter bekannt werde, sei der Weg für eine Versöhnung frei. Dr. Peter Gegenwart, Vorsitzender Richter am Hessischen Landesarbeitsgericht, berichtete anschaulich, wie schwer es den in der NS-Zeit tätigen Juristen später fiel, sich ihrer Verstrickung in das Unrecht und ihrer Schuld zu stellen. Abschließend hielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung eine Gedenkminute für die Opfer des Nationalsozialismus ab.

Auf den seit über 15 Jahren stattfindenden Tagungen von "Christ und Jurist" treffen sich Christen und Juristen aus ganz Deutschland und den verschiedensten Berufsgruppen, um Gemeinschaft zu erfahren und Impulse für ihr Christsein im Berufsalltag zu erhalten. Der nächste Kongress von „Christ und Jurist“ im Mai 2016 widmet sich aus rechtlicher und theologischer Perspektive dem Thema „Freiheit“.

 

Weitere Berichte verschiedener Medien über die Bundestagung finden Sie unter Medienecho. Dort sind auch Radiobeiträge mit O-Tönen und ausführlichen Mitschnitten eingestellt.